Der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule bringt große Veränderungen mit sich. Um Familien dabei zu unterstützen, sprach Sabine Walker, Lerntherapeutin, am 15. Oktober zum Thema „Lernen lernen ab Klasse 5“. Sie gab Einblicke, praktische Tipps und konkrete Methoden für diese Phase. Finanziert wurde der Vortrag vom Schulförderverein.
Die neuen Herausforderungen ab Klasse 5
„In der Grundschule waren sie die Großen“: Einen Platz in der neuen Gemeinschaft zu finden, ist für viele Kinder die erste Hürde. Dazu kommt vieles, worauf man sie kaum vorbereiten konnte, und das führt oft zu Frust und innerer Anspannung. Sabine Walker betonte: Es ist normal, wenn Kinder diese Anspannung zu Hause bei den Eltern abladen. Es zeigt, dass sie sich dort sicher fühlen.
Was sich im Schulalltag ändert
In der Grundschule gaben eine feste Lehrkraft, klare Abläufe, viel Wiederholung und Kontrolle den Rahmen vor. In Klasse 5 erwartet die Kinder ein deutlicher Wechsel: viele Lehrkräfte, wechselnde Räume, ein höheres Arbeitstempo und vor allem mehr Eigenverantwortung. Dazu kommt die Leistungsdichte, denn viele Fächer und Erwartungen müssen gleichzeitig bewältigt werden, in völlig neuen sozialen Gruppen.
Der Kern des Abends: In der Grundschule wird vieles im Unterricht erarbeitet. Ab Klasse 5 gibt der Unterricht den Stoff vor, gelernt, vertieft und wiederholt wird woanders. Besonders in Mathe und Englisch baut der spätere Stoff auf dem der 5. Klasse auf.
Unterstützung ohne Druck
Die Beziehung zum Kind steht an erster Stelle, und sie lebt vom ständigen Gespräch. In der Übergangszeit sollten Eltern nah am Kind sein. Das gelingt zum Beispiel, wenn das Kind regelmäßig alle Unterrichtsmaterialien mit nach Hause bringt und man sich gemeinsam einen Überblick verschafft. Die Aufgabe bleibt dabei beim Kind. Eltern geben den Rahmen: Zeit, Ort, Ruhe und Verlässlichkeit.
Aus dem Publikum kam die Frage, wie man damit umgeht, wenn Geschwisterkinder ebenfalls Aufmerksamkeit brauchen. Hilfreich ist es, andere Personen einzubeziehen, etwa Großeltern, Nachbarn oder eine Tagesmutter. Entweder werden die kleineren Kinder kurz betreut, oder das Schulkind lernt dort. Die Anregung einer Mutter, einmal pro Woche einen Lehramtsstudenten zu engagieren, fanden alle Anwesenden gut.
Lernstrategien und Erfahrungen
Anhand von Beispielen und Fragen aus dem Publikum stellte Sabine Walker mehrere Strategien vor:
„Ist mir egal“: Mehrere Eltern kennen diese Antwort ihrer Kinder. Frau Walker ermutigte dazu, nachzufragen, was dahintersteckt, und im Gespräch zu bleiben: Was hilft dir? Wie möchtest du lernen? Und wie lieber nicht? Kommt als Antwort „gar nicht“, dürfen Eltern ruhig an die Schulpflicht erinnern: Zur Schule zu gehen und zu lernen, ist die Aufgabe des Kindes. Ist das Berufsziel noch weit weg und deshalb als Motivation schwer greifbar, helfen realistische Zwischenziele, die man gemeinsam feiert.
Dranbleiben: Von Anfang an regelmäßig lernen, gerade bei Vokabeln. Ist das Kind nach einem langen Schultag zu müde für eine 15-Minuten-Einheit, beginnt man mit nur fünf Minuten. Oft kommt die Motivation dann von allein. Wichtig: Bei Vokabeln nicht länger als die vereinbarten 15 Minuten am Stück lernen.
Belohnung für das Tun: Ein praktischer Ansatz ist, dass Kinder Büroklammern sammeln, die später in eine kleine Belohnung oder Taschengeld getauscht werden. Entscheidend ist: Belohnt wird das Tun, unabhängig davon, ob das Ergebnis richtig oder falsch ist.
Abfragen statt Wiederlesen: Wer einen Text mehrmals liest, hat schnell das Gefühl, ihn zu kennen. Bei genauerer Prüfung sitzen Vokabeln dann oft doch nicht. Besser wirkt es, sich selbst oder gegenseitig abzufragen.
Methoden, die Kinder oft erst in der weiterführenden Schule kennenlernen: Wichtige Begriffe im Text markieren und mit eigenen Randnotizen versehen, Stichwörter herausarbeiten und komplexe Themen als Mind-Map darstellen. Markieren allein reicht nicht, die Randnotizen sind später der Spickzettel.
Bewegung beim Lernen: Gerade bei Kindern mit ADS/ADHS kann ein Gymnastikball am Schreibtisch helfen. Vokabeln beim Trampolinspringen oder bei einem Spaziergang an der frischen Luft zu lernen, ist einen Versuch wert.
Musik beim Lernen: Ob Musik oder ein vertrautes Hörspiel stört oder hilft, ist bei jedem Kind anders. Am besten ausprobieren. Wenn es nicht funktioniert, wird in Stille gelernt.
Vorbereitung auf Klassenarbeiten
Ab Klasse 5 wird eine strukturierte, eigenverantwortliche Vorbereitung erwartet. Das Kind muss den Termin notieren und wiederfinden (Tipp: ein Klassenarbeiten-Kalender mit Platz für Notizen), wissen, was in der Arbeit verlangt wird, und Können und Lernaufwand einschätzen. Kinder planen dabei oft zu knapp. Anschließend wird rückwärts vom Termin aus geplant.
Fazit
Der Abend machte Mut: Mit klaren Strukturen, einer Portion Gelassenheit, passenden Methoden und engem Austausch zwischen Eltern und Kindern lässt sich der Start in Klasse 5 gut meistern. Ein herzlicher Dank an Sabine Walker für den bereichernden Vortrag!
Wichtiger Aufruf des Schulfördervereins
Solche wertvollen Veranstaltungen und Finanzierungen für unsere Kinder können nur stattfinden, wenn es den Schulförderverein gibt. Dafür werden aktuell dringend engagierte Eltern gesucht! Finden sich keine neuen Unterstützer, droht bei der nächsten Mitgliederversammlung im November die Auflösung des Vereins. Helft mit, dass solche Angebote erhalten bleiben! Wir freuen uns auf eure „Bewerbung“ an post@schulfoerderverein.info.