Am 24. März hielt der Click Coach Christian Müller auf Einladung des Schulfördervereins einen sehr interessanten, und für alle Eltern mit Schulkindern, wichtigen Vortrag zum Thema Mediennutzung an der Gustav-Werner-Schule. Und weil das Thema so wichtig ist, möchten wir an dieser Stelle mit etwas Verspätung einen Auszug seines Vortrags wiedergeben, beginnend mit einem Zitat von Iren Schulz (Mediencoach bei SCHAU HIN, Medienratgeber für Eltern):
"Apps sind nur eine Hilfe, kein sicherer Schutz. Schützen Sie Ihr Kind, indem Sie es zu kompetenter und kritischer Mediennutzung erziehen. Das geht nicht allein über Verbote".
Christian Müller verdeutlicht: Kommunikation ist (auch) der Schlüssel beim Medienthema. Im Folgenden dargestellt in drei wichtigen Säulen:
Interesse zeigen
Coole Grafik - worum geht es in dem Spiel?
Das klingt Interessant - wofür kann man die App nutzen?
Vertrauen aufbauen
Ich verstehe dich - wie könnten wir das regeln?
Ich will dich unterstützen, aber Du musst auch deinen Teil dazu beitragen...
Selbstständigkeit fördern
Du hast gezeigt, dass Du ehrlich bist --> nächster Schritt
Du kannst reflektiert damit umgehen --> mehr Freiheit
Im Handout zum Vortrag gliedert Christian Müller seine Informationen in 11 Bereiche, die im Folgenden auszugsweise dargestellt werden:
Vorbildfunktion
- Prüfe dein eigenes Verhalten: Wie oft greifst du zum Handy?
- Zeige, dass du Offline-Zeit schätzt und genießen kannst.
- Kein Smartphone beim Essen oder in Gesprächen mit dem Kind.
Gemeinsame Haltung & Regeln
- Entwickelt gemeinsame Regeln zur Medienzeit, Gerätenutzung und Inhalten.
- Regeln gelten für alle - Uneinigkeit unter den Elternteilen schwächt die Wirkung
- Sei klar, konsequent und gleichzeitig liebevoll
- Passe Regeln regelmäßig an den Reifegrad deines Kindes an.
- Nutze Prepaid-Tarife oder Familiengeräte statt eigener Smartphones für jüngere Kinder.
Kommunikation & Beziehung
- Sprich offen und interessiert mit deinem Kind über Medien - nicht abwertend
- Stelle offene Fragen: „Was gefällt dir daran?" „Was stört dich manchmal daran?“
- Halte das Gespräch über Medien regelmäßig am Laufen, nicht nur bei Problemen
Bildschirmzeiten & Struktur
- Führe tägliche bildschirmfreie Zeiten ein (2-4 Stunden, möglichst zur selben Zeit).
- Die letzte Stunde vor dem Schlafen gehen sollte bildschirmfrei sein.
- Unterstütze das Einhalten mit Zeiteinstellungen, Routerbegrenzungen oder Verwahrboxen.
- Schaffe klare Orte und Zeiten ohne Geräte (z. B. Esstisch, Kinderzimmer, Autofahrten).
Vertrauen & Ehrlichkeit
- Fördere eine Kultur der Ehrlichkeit: Keine Strafen für das Zugeben von Fehlern.
- Kinder lügen, wenn sie Nachteile für die Wahrheit erwarten - nimm ihnen den Grund dafür.
- Sei selbst ehrlich - Vertrauen funktioniert nur gegenseitig.
Bedürfnisse verstehen
- Erkenne die emotionalen Bedürfnisse hinter der Mediennutzung (Anerkennung, Spaß, Erfolg).
- Hilf deinem Kind, diese Bedürfnisse auch analog zu erfüllen: Freundschaften, Bewegung, Kreativität.
- Vermeide moralische Vorwürfe - erkunde gemeinsam, warum Medien so wichtig sind.
Herausforderungen & Verantwortung
- Gib deinem Kind analoge „Missionen": kleine Aufgaben, Projekte, Herausforderungen.
- Reduziere elterliche „Serviceleistungen" - Kinder sollen Verantwortung übernehmen.
- Lass dein Kind Dinge selbst planen oder erledigen (Einkauf, Kochen, kleine Jobs).
- Fordere Eigenanteil bei Anschaffungen (z. B. Smartphonekosten, Prepaid-Guthaben).
Schutz & Begleitung
- Übernimm Verantwortung: Schütze dein Kind vor gefährlichen Inhalten.
- Installiere Filter- oder Schutzsoftware.
- Sprich über Pornografie, Cybergrooming, soziale Medien offen und kindgerecht.
- Lass Kinder nicht unbegrenzt in Social Media oder Spielewelten abtauchen.
Grundhaltung & Orientierung
- Orientiertere dich am Entwicklungsstand deines Kindes, nicht am „was alle anderen haben".
- Triff bewusste, begründete Entscheidungen zur Mediennutzung - nicht aus Gruppendruck.
- Konflikte über Medien sind normal - wichtig ist, wie man sie führt: ruhig, wertschätzend, klar.
- Kinder brauchen nicht alles, was sie wollen - sie brauchen, was ihrer Entwicklung gut tut.
- Erziehung heißt Führung - auch im digitalen Raum.
Werte & Kultur
- Entwickle in der Familie eine „Kultur des Digitalen" - bewusste, begrenzte Nutzung.
- Schutz vor seelischer Überreizung und destruktiven Inhalten.
- Zeige deinem Kind, dass das Leben mehr bietet als Bildschirme - Beziehungen, Natur, Kreativität.
Liebe & Zuwendung
- Jedes NEIN zu Medien braucht ein ebenso klares JA zum Kind: Nähe, Zeit, Wertschätzung.
- Nimm dir regelmäßig ungeteilte Zeit für dein Kind - ohne Ablenkung.
- Auch wenn es anstrengend ist: Konsequente Liebe gibt Sicherheit und Orientierung.
Über das rege Interesse am Vortrag – die Aula war gefüllt bis auf den letzten Platz – haben wir uns sehr gefreut und würden uns freuen, Christian Müller wieder einmal begrüßen zu dürfen. Evtl. auch für einen Vortrag direkt vor Schülerinnen und Schülern. Vielen Dank für Ihren Besuch, Herr Müller.
Dank geht auch an die Schule für die Werbung, das zur Verfügung stellen des Raumes und an Sebastian Hartter, seines Zeichens Schulsozialarbeiter, für die Unterstützung.